Am Tag, an dem der Deutsche Olympische Sportbund die Stadt München ins Rennen um die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 schickt, verteilen wir schon mal die ersten Goldmedaillen. 10 Goldmedaillen gehen an die verbliebenen 10 Eulenfrauen, die sich auf den Weg nach Augsburg gemacht haben und dort allen Widrigkeiten zum Trotz zwei wichtige Auswärtspunkte geholt haben. Drei weitere Goldmedaillen erhalten Charlotte Lohr, Jana Heidger und Luna Bohn, die trotz ihrer Verletzungen die 300 km Fahrt auf sich genommen und ihr Team unterstützt haben. Dann haben wir da noch zwei Mal Gold für das Trainer-Duo Niklas Weißbrod und Patrick Friedmann, die ihr Team mit allen taktischen Mitteln zum Sieg geführt haben. Zu guter Letzt dekorieren wir noch ca. 15 Eulenfans mit Gold, die unsere Eulenfrauen von der ersten bis zur letzten Minute unterstützt und getragen haben. Und natürlich gehen diverse Ehrennadeln in Silber an alle, die zu Hause die Daumen gedrückt und mitgefiebert haben.
Es war ein wahrlich heroischer Auftritt unserer Eulenfrauen unter widrigsten Umständen. Mit nur 8 Feldspielerinnen und 2 Torfrauen gingen unsere Mädels in die Partie und sahen sich einer voll besetzten Bank des TSV Haunstetten gegenüber. Zudem waren Kapitänin Rebecca Brecht, Johanna Werthmann und Sara Jelicic unter der Woche nicht komplett einsatzfähig und meldeten sich erst kurz vor der Abfahrt spielfähig. Die Gastgeberinnen wollten genau dies für sich nutzen und gingen sehr engagiert in die Partie. In der Defensive setzten die Fuggerstädterinnen auf eine offensive 3:3-Abwehr, im Angriff wurde versucht, Rückraumspielerin Chiara Joerss in gute Abschlusspositionen zu bringen. Diese erzielte dann auch die ersten beiden Treffer der Hausherrinnen, auf Seiten der Eulenfrauen hielten Sara Jelicic und Ina Scheffler dagegen. Die Anfangsphase war geprägt von vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten, die allerdings keines der Teams entscheidend für sich zu nutzen wusste. Unsere Mädels scheiterten immer wieder an der starken Schlussfrau Kiara Spindler, die in der ersten Halbzeit auf 9 Paraden kam. Bis zum 7:5 durch Chiara Joerss in der 11. Minute gelang es unserer Defensive nicht, die Angriffe des TSV zum Stoppen zu bringen. Torhüterin Lena Dettling hatte so kaum eine Chance ins Spiel einzugreifen. Beim 7:7 durch Mona Kuczaty gelang es erstmals die Gastgeberinnen ins Zeitspiel zu zwingen, der Ballgewinn wurde über die erste Welle eiskalt verwertet. Dennoch blieb es bis zur Auszeit in der 17. Minute beim Stand von 10:9 bei einer 1-2 Tore Führung für Haunstetten. Man merkte unserem Team deutlich die fehlenden Alternativen auf der Bank an, zumal Melissa Engeln und Felicity Gunst bereits in der Anfangsviertelstunde Blessuren erlitten hatten. Linda Götz sorgte nun für Entlastung und fand direkt ins Spiel. Zunächst sorgte sie für den Ausgleich zum 11:11, eroberte anschließend den Ball in der Abwehr und ermöglichte so den Zauberpass von Juli Wolf, die Lena Dettling im Tor abgelöst hatte, auf Mona Kuczaty, die zum 11:12 einnetzte. Wenig später ließ Linda Götz das 12:13 folgen und hatte wesentlichen Anteil daran, dass unsere Defensive jetzt deutlich mehr Zugriff hatte. Johanna Werthmann und Felicity Gunst sorgten mit ihren Toren für die erste 2-Tore-Führung unserer Mädels (13:15, 23. Minute). Dem Ausgleich durch Lena Groll und Sophie Jatta ließ Ina Scheffler einen Doppelpack folgen, wodurch unsere Mädels kurz darauf mit einer denkbar knappen 18:19-Führung in die Kabinen gehen konnten. Bis dahin sahen die mitgereisten Eulenfans eine große kämpferische Leistung ihrer Heldinnen, bei der alle Spielerinnen ans Limit gegangen waren. Bei Haunstetten überragten Rückraum-Schützin Chiara Joerss mit 7 Treffern und Torfrau Kiara Spindler, während auf Seiten der Eulenfrauen die Außenspielerinnen Mona Kuczaty (5 Tore) und Felicity Gunst (4) äußerst treffsicher waren.
Unsere Mädels kamen hervorragend aus der Kabine und gingen durch Melissa Engeln und Rebecca Brecht erstmals mit drei Toren in Führung (18:21, 34. Minute). Lena Dettling war zwischen die Pfosten zurückgekehrt und fand hinter der deutlich kompakteren Abwehr besser ins Spiel. Mehr noch, sie wurde zu einem wesentlichen Faktor mit 8 Paraden in der zweiten Halbzeit. Eine Strafzeit gegen Chiara Joerss nutzten Sara Jelicic und Mona Kuczaty – neuer Spielstand 20:24 (37.). Kaum wieder auf der Platte schlug Chiara Joerss zurück und brachte ihr Team wieder heran. Die nächsten vier Tore des TSV gingen auf ihr Konto und in der 44. Minute waren die Gastgeberinnen wieder in Schlagdistanz (24:26). Doch die Eulenfrauen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und nutzten eine Überzahl (Maresa Lochbrunner erhielt eine Zweiminutenstrafe). Ina Scheffler und Rebecca Brecht spielten ihre ganze Routine aus und nutzten die Lücken in der dezimierten TSV-Defensive zum 24:28. Wieder in Gleichzahl legte Ina Scheffler sogar noch einen Treffer nach. Nochmals schlug Haunstetten zurück und hatte beim Stand von 27:29 die Chance zum Anschlusstreffer, doch Lena Dettling hielt gegen die Rechtsaußen Antonia Rappel. Rebecca Brecht und Ina Scheffler mit einem sehenswerten Dreher erhöhten wieder auf 27:31, doch sieben Minuten vor Ende der Partie folgte ein erneuter Rückschlag. Melissa Engeln sah nach der dritten Zeitstrafe die rote Karte und musste auf der Tribüne zwischen den Eulenfans Platz nehmen. In der 55. Minute dann wohl die entscheidende Phase. Lena Dettling entzauberte zweimal hintereinander Chiara Joerss – zunächst parierte sie einen Siebenmeter, kurz darauf einen der zahlreichen Würfe aus dem Rückraum. Unsere Linksaußen Mona Kuczaty entschied mit ihren Toren Nummer 7 und 8 die Partie und zwang Trainer Michael Rothfischer beim Stand von 28:33 in der 57. Minute zu seiner letzten Auszeit. Haunstetten setzte auf offene Deckung, konnte der Partie aber keine entscheidende Wendung mehr geben. Unsere Mädels agierten clever, nutzten in Person von Rebse Brecht den Platz zum Torabschluss oder nahmen Zeit von der Uhr (Ina Scheffler zwang Haunstetten immer wieder zum Stopp-Foul). Doch die Partie hatte noch einen Schreckmoment zu bieten: Nach einem Pass von Lena Dettling konnte Mona Kuczaty den Ball nicht kontrollieren und vertrat sich beim Versuch, das Spielgerät zu verwerten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste unsere Linksaußen von der Bank aus die restlichen Minuten verfolgen. Doch auch dieser Ausfall änderte nichts mehr am 32:36-Sieg für unsere Mädels.
Linda Götz: „Alles in allem, und gemessen an unserer Kadergröße, war das ein guter und wichtiger Sieg. Zu Beginn taten wir uns etwas schwer: Wir kamen nicht richtig in unser gewohntes Spiel und waren auch im Abschluss nicht konsequent genug. Mit fortschreitender Spielzeit wurde dann aber einmal mehr unsere Stärke deutlich. Trotz eines minimierten und angeschlagenen Kaders gelang es uns fast durchgehend unser Tempo zu spielen. Durch eine konsequentere Abwehr und schnelles Umschaltspiel gelangen uns immer wieder einfache Tore, sodass wir uns nach und nach endlich etwas absetzen konnten. Der Hauptfokus lag darauf, Präsenz zu zeigen und das ist uns definitiv gelungen. Wir haben jedes Stoppfoul, jeden Ballgewinn und jede noch so kleine Aktion gefeiert und waren voll da. Es hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht so als Team zu spielen.“
„Was die Mädels abgerissen haben, ist phänomenal. Dass wir trotz der dünnen Bank auf unser Tempospiel setzen und das über 60 Minuten durchziehen – einfach Wahnsinn! Alle sind füreinander eingestanden, wir haben über die Abwehr in der zweiten Halbzeit das Spiel auf unsere Seite ziehen können. Meine Mannschaft hat eine überragende Bereitschaft gezeigt, sich der Situation zu stellen. Zum Beispiel Felicity Gunst, die das komplette Spiel mit Schmerzen zu kämpfen hatte. Oder Linda Götz, die nach ihrer Einwechslung das Heft in die Hand genommen und wesentlich zum Sieg beigetragen hat. Rebse Brecht, die als Kapitänin vorangegangen ist. Ina Scheffler und Mona Kuczaty haben überragend gespielt. Ich könnte unendlich weitermachen. Jede einzelne Spielerin hat alles gegeben. Wir müssen jetzt regenerieren, denn am Samstag wartet mit der TSG Haßloch die nächste schwere Aufgabe auf uns“, war Niklas Weißbrod stolz auf seine Mannschaft.
Es war ein Sieg des Willens und des Zusammenhalts – vielleicht zwei der bedeutendsten Attribute im Sport und echt olympiareif…
TSV Haunstetten
Carlotta Friedrich (Tor), Kiara Spindler (Tor), Lena Groll (1), Sophie Jatta (1), Sabrina Smotzek (1), Jasmin Reinelt, Sina Gossner (1), Vanessa Fimpel, Leni Goldbach (5), Chiara Joerss (12/2), Luisa Merkle, Finnia Gilg (1), Daniela Knöpfle (3), Antonia Rappel (1), Maresa Lochbrunner (3), Elsa Wonnenberg (3)
TSG Friesenheim
Lena Dettling (Tor), Juli Magdalena Wolf (Tor), Sara Jelicic (3), Johanna Werthmann (1), Felicity Gunst (5), Ina Scheffler (7), Mona Kuczaty (8), Melissa Engeln (2), Linda Götz (2), Rebecca Brecht (8/1)
Schiedsrichter: Bärbel Hönes, Sabrina Müller
Zuschauer: 150
Siebenmeter: 2/3 zu 1/2
Zeitstrafen: 5 zu 3
Rote Karte: 0 zu 1
Spielfilm: 1:0, 4:4, 7:5, 10:10, 11:12, 15:17, 18:19 (HZ), 18:21, 20:24, 24:26, 24:29, 27.29, 28:33, 32:36 (Ende)