HSG St. Leon/Reilingen – TSG Friesenheim 24:24 (13:10)
Bei Eiskunstlaufwettbewerben folgt dem früher genannten Pflichtteil (heute Kurzprogramm) die Kür. Manchmal ist es im Sport aber auch umgekehrt – einem Highlight folgt eine vermeintliche Pflichtaufgabe. Dass dies oftmals nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, mussten unsere Eulenfrauen beim Gastspiel bei der HSG St. Leon/Reilingen feststellen. Am Ende einer jederzeit spannenden Partie stand ein leistungsgerechtes Unentschieden.
Im Vorfeld des Aufeinandertreffens mit dem Tabellenvorletzten wurde fleißig gewarnt. Man müsse die Intensität aus dem Spiel gegen die Kurpfalz Bären wieder auf die Platte kriegen, Fokus sowie Konzentration müssten hochgehalten werden und generell dürfe man in unserer ausgeglichenen Staffel niemanden unterschätzen, wussten sowohl Trainerstab als auch Spielerinnen. Ein ungeschriebenes Gesetz des Sports ist aber nun einmal auch, dass genau das nicht so einfach ist. „Eigentlich sind wir ganz gut in die Partie gekommen“, erinnerte sich unsere Rechtsaußen Jana Stolle an die ersten Minuten, in denen die Eulenfrauen das 1:0 der Gastgeberinnen über ihr Tempospiel ausgleichen und in eine knappe Führung verwandeln konnten, die auch in der Folge behauptet wurde. Nach achteinhalb Minuten erhöhte Stolle (mit vier Toren und 100% Abschlussquote effektivste Angreiferin) auf 4:6 – ihr Treffer sollte aber für die nächsten 13 Minuten der letzte erfolgreiche Abschluss unserer Mädels bleiben. Die Eyub-Sieben verrannte sich immer wieder in der gut sortierten, aggressiven Deckung der HSG oder scheiterte an Schlussfrau Melina Friedrich, die in der ersten Halbzeit auf 11 Paraden kam. Auf Seiten der TSG Friesenheim standen 13 Fehlwürfe (davon fünf freie Abschlüsse) und vier Ballverluste in der Statistik des ersten Spielabschnitts. So konnten die Hausherrinnen das Spiel zu ihren Gunsten drehen (9:6, 20. Minute). Eine noch höhere Führung verhinderte Lena Dettling mit fünf Paraden. Rebecca Brecht brach den Bann mit einem Siebenmeter zum 9:7. Auf das erste Tor aus dem Spiel heraus mussten die zahlreich mitgereisten Eulenfans sogar bis zur 25. Minute warten, als Johanna Werthmann zum 11:8 traf. In den letzten 120 Sekunden nahm die Partie nochmals richtig Fahrt auf. Endlich zeigte die Eyub-Sieben wieder ihr berüchtigtes Tempospiel, nach einem Ballgewinn traf Admira Zvekic zum 12:9 und nur 14 Sekunden später verkürzte Tabea Luickx nach einem HSG-Pass ins Aus auf 12:10. Juli Wolf (seit der 24. Minute zwischen den Pfosten) hielt mit der Hüfte einen Abschluss von Rechtsaußen, doch zwei Fehlwürfe unserer beiden Außenspielerinnen Admira Zvekic und Mona Kuczaty verhinderten den Anschlusstreffer – erneut war Torhüterin Melina Friedrich zur Stelle. Stattdessen traf Samira Schulz mit der Schlusssirene zum 13:10-Halbzeitstand.
Beim Anwurf zur zweiten Hälfte stellte unser Coach Eyub Erden um und beorderte Melissa Engeln an den Kreis, Jana Heidger fand sich im Rückraum wieder. Der erste Angriff wurde herrlich für Rechtsaußen abgeräumt und Jana Stolle traf zum 13:11. In der Abwehr agierte Tabea Luickx vorgezogen in der 5:1-Abwehr, dennoch konnte sich St. Leon/Reilingen zunächst auf 15:11 durch Leonie Scholl und Lisa Haupt absetzen. Aber bereits jetzt war eine ganz andere Körpersprache ersichtlich, was sich in den nächsten Minuten auszahlen sollte. Mit einem 4:0-Lauf sorgten Jana Stolle, Melissa Engeln, Tabea Luickx und Kapitänin Rebecca Brecht für den langersehnten Ausgleich in der 37. Minute. Doch erneut gönnten sich unsere Mädels fünfeinhalb torlose Minuten und mussten die Gastgeberinnen wieder auf 19:16 davonziehen lassen. Jana Heidger und zweimal Johanna Werthmann sorgten wieder für den Ausgleich. Ab der 48. Minute beim Stand von 20:20 bot sich den Eulenfrauen mehrmals die Chance zur Führung, blieb aber durch zwei Fehlwürfe und zwei Offensiv-Fouls ungenutzt. Stattdessen legte die HSG stets einen Treffer vor, unsere Mädels glichen aus. Erst im sechsten Versuch konnte Tabea Luickx ihre Farben mit 23:24 in der 58. Minute erstmals wieder in Front bringen und eine Minute vor Schluss bot sich sogar die Chance auf die vorentscheidende Zwei-Tore-Führung. Doch die Schiedsrichter Robert Mischock und Christopher Riebesam, die insgesamt eine großzügige Linie hatten und viel laufen ließen, sahen ein Offensiv-Foul und der Ballbesitz wechselte – Auszeit HSG St. Leon/Reilingen. 22 Sekunden verblieben für den letzten Angriff und Trainer Daniel Weinheimer setzte auf die siebte Feldspielerin. Der Ball landete auf Rechtsaußen bei der etatmäßigen Kreisläuferin Nicola Baumann, Lena Dettling parierte mit dem Fuß, doch den Abpraller verwertete Lena Nussbaumer zum insgesamt gerechten 24:24-Endstand.
Nochmals Jana Stolle: „Uns hat vor allem in der ersten Halbzeit die Durchschlagskraft gefehlt, wir sind zu selten zu klaren Torchancen gekommen. Mit den 24 Gegentoren können wir gut leben. Im Endeffekt müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein, auch wenn es natürlich ärgerlich ist, eine Sekunde vor Schluss den Ausgleich zu kassieren. Ich bin trotzdem stolz auf die Mannschaft. Wir schaffen es immer wieder in schwierigen Spielen, wenn es nicht so läuft dranzubleiben und das maximal mögliche rauszuholen. Jetzt freuen wir uns auf die spielfreie Woche. Die Pause wird uns guttun.“
Coach Eyub Erden: „Ich habe gemischte Gefühle. Ich weiß nicht, ob es ein Punktgewinn oder -verlust ist. Wir waren bis zur 42. Minute nicht gut, danach hat sich die Mannschaft aber gesteigert und wir konnten in Führung gehen. Insgesamt ist es vom Spielverlauf das gerechte Ergebnis. Es war genau die schwere Aufgabe, die wir erwartet haben.“
Die nächste Aufgabe stellt sich den Eulenfrauen dann nach dem spielfreien Wochenende am Samstag, den 21.03.2026 im TSG Sportzentrum gegen die SG Kappelwindeck/Steinbach, gegen die das Team nach der 34:28-Hinspielniederlage noch etwas gutzumachen hat. Vielleicht wird das dann ja die Kür, die auf die Pflicht folgt.
HSG St. Leon/Reilingen
Melina Friedrich (Tor), Vanessa Dörr (Tor), Emily Lang (Tor), Nicole Weschenfelder (1), Lena Elisabeth Nussbaumer (2), Leonie Scholl (7), Cathrin Hofmann (2), Lisa Haupt (1), Madeleine Hornstein (2), Celina Weschenfelder, Samira Schulz (4/1), Alina Stegmüller, Katharina Schieszl (1), Nicola Baumann (3), Annika Rimpf (1/1)
TSG Friesenheim
Lena Dettling (Tor), Juli Magdalena Wolf (Tor), Jana Stolle (4), Johanna Werthmann (3), Jana Heidger (2), Admira Zvekic (1), Mona Kuczaty, Melissa Engeln (2), Lena Peribonio (2), Linda Götz, Charlotte Lohr, Rebecca Brecht (6/3), Tabea Luickx (4)
Schiedsrichter: Robert Mischock, Christopher Riebesam
Zuschauer: 150
Siebenmeter: 2/3 zu 3/3
Zeitstrafen: 4 zu 3
Spielfilm: 1:0, 3:5, 9:6, 11:7, 13:10 (HZ), 15:11, 15:15, 19:16, 20:20, 23:24, 24:24 (Ende)