TuS Schutterwald – TSG Friesenheim 31:31 (14:10)
„Vor dem Spiel wären wir mit einem Punkt nicht zufrieden gewesen, nach dem Spielverlauf sind wir froh, dass wir noch einen Zähler mitnehmen konnten.“ Kapitänin Rebecca Brecht brachte die Gefühlslage der Eulenfrauen nach intensiven 60 Minuten vor 350 Zuschauern in der Mörburghalle auf den Punkt. Vor allem mit der kämpferischen Einstellung ihres Teams war sie zufrieden, sah im spielerischen Bereich aber deutlich Luft nach oben. „Wir kamen nie richtig ins Spiel und haben viele Chancen nicht genutzt. Aber wir haben uns trotz sechs Toren Rückstand nie aufgegeben und wieder herangekämpft. Mit etwas mehr Cleverness wäre vielleicht sogar der Sieg drin gewesen, aber ich denke die Punkteteilung ist nach dem Spielverlauf gerecht.“
Die Gastgeber traten ohne Katlyn Reymann, Nele Zapf sowie Milena Muttach an und verloren nach 96 Sekunden beim Stand von 1:1 auch noch ihre Top-Scorerin Nadja Kaufmann, die unsere Linksaußen Charlotte Lohr im Wurf am Fuß traf und dafür disqualifiziert wurde. Eine harte Entscheidung der Schiedsrichter Dominik und Lars Salles, die auch im weiteren Verlauf der Partie nicht immer souverän wirkten. Wer auf Seiten der Eulenfans dachte, damit wäre der Weg für einen souveränen Auswärtssieg beim Tabellenzehnten geebnet, sah sich getäuscht. Die nur acht verbliebenen Schutterwalder Feldspielerinnen präsentierten sich als eine Einheit, konnten nach dem verwandelten Siebenmeter durch Rebecca Brecht im Anschluss an die Rote Karte weitere Gegentreffer in Unterzahl vermeiden und gingen durch Linksaußen Selina Margull und Vivienne Quennet (linker Rückraum) mit 3:2 in Führung. Auf Seiten der Eulenfrauen funktionierte in der Anfangsphase vor allem das Spiel über den Kreis, wo Sara Jelicic sicher verwandelte oder einen Siebenmeter zog. Ein Doppelschlag der überragenden Nadine Czok sorgte für die erste 2-Tore-Führung der Gastgeber (7:5, 10. Spielminute). Die Auszeit kurz darauf nutzte unser Coach Eyub Erden für einige Anpassungen in der Abwehr, zudem musste Juli Wolf, die bis dahin zu wenig Unterstützung ihrer Vorderleute hatte und keine Parade zeigen konnte, den Platz zwischen den Pfosten für Lena Dettling räumen. „Ab da lief es in der Defensive besser, aber im Angriff konnten wir uns nicht steigern. Der Tiefpunkt war zwischen der 19. und 29. Minute, da blieben wir 10 Minuten ohne eigenen Torerfolg“, analysierte Erden den weiteren Verlauf der ersten Halbzeit. Bis zu besagter 19. Minute trafen auf Seiten der Gastgeber Selina Margull, Vivienne Quennet und Nadine Czok, die zusammen für 13 der 14 Treffer des TuS in der ersten Halbzeit verantwortlich waren. Jana Heidger mit zwei Toren und Jana Stolle hielten für die Eulenfrauen dagegen. Mit dem Treffer zum 12:9 (22., erneut durch Nadine Czok) begann eine beidseitige, siebeneinhalbminütige Torflaute. Lena Dettling sorgte mit insgesamt 11 Paraden ab ihrer Einwechslung dafür, dass sich Schutterwald nicht noch weiter absetzen konnte. Jana Heidger beendete 86 Sekunden vor der Halbzeitsirene die trefferlose Zeit der Eulenfrauen, wurde kurz darauf aber zur tragischen Figur der ersten Halbzeit. Ein Abpraller nach der elften Dettling-Parade landete bei Selina Margull, Jana Heidger kam beim Abwehrversuch zu spät und ihr Eingreifen werteten die Schiedsrichter als rotwürdiges Foul – eine ebenso diskussionswürdige Entscheidung wie in den Anfangsminuten. Mit 14:10 ging es in die Kabinen. Angesichts von 11 Fehlwürfen und 11 technischen Fehlern der Eulenfrauen ein schmeichelhafter Rückstand, der aber noch die Chance auf eine Aufholjagd im weiteren Spielverlauf offenließ.
Zum Auftakt der zweiten Halbzeit nutzte Schutterwald die numerische Überlegenheit und erhöhte durch Selina Margull und Katlyn Reymann, die nach Spielbeginn dem Kader hinzugefügt wurde, auf 16:10. „Ab da begann meine Mannschaft das zu spielen, was uns diese Runde ausmacht. Auf einmal konnten wir durch unser Tempospiel einfache Tore erzielen, wir hatten mehr Bewegung im Angriff und der Kampfgeist war erwacht“, sah Eyub Erden die Partie ab der 32. Minute kippen. Binnen vier Minuten konnte man durch mehrere Ballgewinne in der Abwehr, abgeschlossen über die erste Welle und guter Kooperation mit dem Kreis (Rebse Brecht glänzte als Zuspielerin für Sara Jelicic) auf 17:15 verkürzen. Die Eulenfrauen waren wieder im Spiel. Der gute Lauf wurde jedoch durch eine Zeitstrafe gegen Tabea Luickx ausgebremst. Die roten Teufelinnen der Ortenau setzten sich wieder auf 20:16 ab, unsere Mädels konterten in Gleichzahl durch zwei Treffer von Mona Kuczaty und einem Tor durch Tabea Luickx zum 20:19 (41.). Die Partie hatte ihr Gesicht nun völlig geändert, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beim Stand von 25:23 (46. Minute) dann die nächste Herausforderung für unser Team – über 90 Sekunden doppelte Unterzahl nach Zeitstrafen gegen Tabea Luickx und Sara Jelicic. Mit zwei Fehlwürfen von Rechtsaußen (Marie Lipps scheiterte an der Latte, Neele Luick verzog) wussten die Gastgeberinnen die Überzahl nicht zu nutzen und mussten noch mit einer Spielerin mehr den Anschlusstreffer durch Tabea Luickx hinnehmen. Wieder ging es hin und her, nach dem Anschlusstreffer durch Jana Stolle (mit sechs Treffern beste Torschützin der Eulenfrauen bei 100% Abschlussquote) zum 28:27 nahm Schutterwalds Trainer Axel Schmidt seine letzte Auszeit bei sieben Minuten verbleibender Spielzeit. Und es schien, als hätte er seinen Spielerinnen den entscheidenden Impuls gegeben. Bis zur 56. Minute bauten die Gastgeberinnen ihren Vorsprung auf 31:28 aus, doch die Eyub-Sieben schlug zurück. Tabea Luickx und Johanna Werthmann schafften drei Minuten vor Ende der Partie den Anschlusstreffer zum 31:30. Und trotz erneuter Unterzahl und roter Karte gegen Tabea Luickx aufgrund der dritten Zeitstrafe erzielte Kapitänin Rebse Brecht 40 Sekunden vor der Schlusssirene den viel umjubelten Ausgleich zum 31:31-Endstand. Der letzte Angriff des TuS verpuffte.
„Es war das erwartet schwere Auswärtsspiel. Meine Mädels haben sich zurückgekämpft, mit der zweiten Halbzeit bin ich zufrieden“, resümierte ein sichtlich angefasster Eyub Erden nach dem Spiel.
Mit dem Punktgewinn behaupten die Eulenfrauen den zweiten Tabellenplatz. Am nächsten Wochenende steht der Doppelspieltag mit den HLZ-Herren im TVH-Sportzentrum in Hochdorf an. „Darauf freuen wir uns jetzt und es gilt, eine konzentrierte Trainingswoche hinzulegen, um dann wieder in unser Spiel zu finden und eine Reaktion zu zeigen“, blickt Rebse Brecht voraus. Der Gegner ist dann der Tabellensechste TSV Ismaning, der sich nach dem 24:24 zu Hause gegen den Tabellenletzten HCD Gröbenzell ebenfalls rehabilitieren will.
TuS Schutterwald
Tina Schlund (Tor), Lana Griese (Tor), Katlyn Reymann (1), Elisa Seigel (3), Nadja Kaufmann, Anita Sigloch (3), Lisa Greiner, Selina Margull (9/1), Nadine Czok (7/3), Neele Luick (1), Marie Lipps (2), Vivienne Quennet (5)
TSG Friesenheim
Lena Dettling (Tor), Juli Magdalena Wolf (Tor), Sara Jelicic (5), Jana Marie Stolle (6), Johanna Werthmann (3), Jana Heidger (3), Admira Zvekic, Mona Kuczaty (5), Melissa Engeln, Linda Götz, Charlotte Lohr, Rebecca Brecht (5/3), Tabea Luickx (4)
Schiedsrichter: Dominik Salles, Lars Salles
Zuschauer: 350
Siebenmeter: 4/4 zu 3/5
Zeitstrafen: 2 zu 8
Rote Karten: 1 zu 2
Spielfilm: 0:1, 3:2, 7:5, 11:8, 14:10 (HZ), 16:10, 17:15, 22:21, 25:22, 27:26, 31:28, 31:31 (Ende)