Vordergründig könnte man den Erfolg unserer Eulenfrauen in eigener Halle gegen das Tabellenschlusslicht SG Kappelwindeck/Steinbach als standesgemäßen und unspektakulären Favoritensieg abhandeln. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass es diverser taktischer Anpassungen bedurfte, um der personellen Situation gerecht zu werden und den letztlich ungefährdeten Heimsieg einzufahren. Das Team hat damit einmal mehr unter Beweis gestellt, dass es jederzeit bereit ist sich ändernden Bedingungen zu stellen und das Beste aus der Situation zu machen.
„Ich habe eigentlich gar keine Lust mehr ständig über unsere Ausfälle zu lamentieren, aber natürlich hat es einen Einfluss auf die Herangehensweise, wenn drei Kreis- bzw. Innenblockspielerinnen fehlen“, erklärte Niklas Weißbrod nach dem Spiel. So gingen die Eulenfrauen mit vier Rückraumspielerinnen in die Partie und ließen die Position am Kreis unbesetzt. In der Defensive setzte unser Coach auf eine 5:1-Abwehr mit Julia Noetzel als vorgezogene Spielerin. Die Folge war eine schnelle 4:1-Führung durch zwei Treffer von Jana Stolle, außerdem trafen Rebecca Brecht per Siebenmeter sowie Mona Kuczaty. In der Folge geriet der Eulen-Motor aber etwas ins Stottern. Die Gästinnen nutzten eine Zeitstrafe gegen Melissa Engeln zum 4:3-Anschlusstreffer und gingen nach einer erneuten Dezimierung aufgrund eines Wechselfehlers unserer Mädels sogar mit 4:5 in Front (8. Minute). Brecht & Co. brauchten ein paar Minuten, um wieder zurück ins Spiel zu finden, gingen dann aber durch drei Tore von Rechtsaußen Jana Stolle innerhalb von zweieinhalb Minuten wieder mit 8:6 in Führung. Dabei wurde unsere Nummer 18 zunächst nach Einläufer von Melissa Engeln am Kreis gefunden und schloss dann zweimal die erste Welle nach Parade und Pass von Lena Dettling erfolgreich ab. Der Tabellenletzte hielt weiter tapfer dagegen und konnte bis zur 15. Minute das Spiel ausgeglichen gestalten (9:9). Dabei setzte die SG auf eine Manndeckung gegen unsere Kapitänin Rebse Brecht, in der Offensive war Desire Kolasinac die Entscheidungsspielerin. „Die Manndeckung hat uns tatsächlich etwas in die Karten gespielt. Rebse war die Woche über krank und konnte sich so im Angriff etwas ausruhen. Mit ihrem gewohnten Offensivpensum hätte sie sicherlich nicht so viele Spielminuten absolvieren können“, war Weißbrod über den Begleitschutz fast dankbar. Dennoch eröffnete unsere Spielführerin den folgenden 5:1-Lauf zum 14:10 (20.) und ließ noch einen verwandelten Siebenmeter folgen. Linda Götz, Jana Stolle und Melissa Engeln waren die weiteren Torschützinnen. Technische Fehler und schwache Abschlüsse verhinderten einen weiteren Ausbau der Führung, doch auch Kappelwindeck/Steinbach konnte nicht entscheidend verkürzen. Julia Noetzel erhöhte erstmals auf fünf Tore Vorsprung (18:13, 25. Minute), mit 21:16 ging es kurz darauf in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff mussten die gut 100 Zuschauer rund vier Minuten warten, bis der erste Treffer fiel. Felicity Gunst hatte mittlerweile die sehr stark spielende Jana Stolle auf Rechtsaußen abgelöst und das 22:16 erzielt. Die Eulenfrauen kontrollierten die Partie ohne zu glänzen, gerieten aber auch nie in Gefahr das Match noch aus der Hand zu geben. Desire Kolasinac brachte ihre Farben nochmals auf 25:21 heran, drei Treffer von Melissa Engeln, Julia Noetzel und Rebecca Brecht sorgten aber schnell wieder für klare Verhältnisse (28:21, 41. Minute). Unsere Mädels nahmen nun ihrerseits Desire Kolasinac in Manndeckung, was dem Angriffsspiel der Gästinnen deutlich schadete. Unsere Kapitänin wiederum entzog sich dem Begleitschutz mit einem taktischen Kniff, indem sie die Position am Kreis einnahm. In der 44. Minute wurde Ina Scheffler (ebenfalls die ganze Woche über erkrankt) erstmals eingesetzt und eröffnete mit einem Ballgewinn einen 3:0-Lauf unserer Mädels. Zweimal Mona Kuczaty und Rebse Brecht waren die Torschützinnen zur höchsten Führung der Partie (32:24). Die Vorentscheidung war gefallen, auch wenn die SG nochmals auf 34:30 (54.) verkürzte. Die Eulenfrauen ließen nichts mehr anbrennen, zweimal Johanna Werthmann, Julia Noetzel und Rebecca Brecht sorgten für den letztlich ungefährdeten 38:33-Heimsieg.
Es war unter dem Strich ein unspektakulärer Heimsieg mit dem schönen Aspekt, dass Luna Bohn nach ihrer Fingerverletzung wieder erste, wenige Minuten sammeln konnte. Zudem hat die Mannschaft einmal mehr gezeigt, dass sie sich von negativen Begleitumständen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass am kommenden Wochenende eine deutliche Leistungssteigerung von Nöten sein wird, um beim verlustpunktfreien Tabellenführer HC Erlangen zu punkten. „Da müssen wir definitiv eine Schippe drauflegen“, weiß auch Jana Stolle, die mit 7 Toren die erfolgreichste Schützin ihres Teams aus dem Feld war. „Heute war das Wichtigste, dass wir die Punkte geholt haben. Die Leistung war nicht unbedingt das, was wir können. Zu viele technische Fehler, zu viele Fehlwürfe. Ich bin dennoch stolz auf die Mannschaft, wie sie mit den Ausfällen umgeht. Wir haben keinen Punkt abgegeben in den letzten Wochen. Das zeigt, dass wir zu Recht an der Tabellenspitze stehen. Jetzt freuen wir uns auf die schwere Aufgabe in Erlangen. Ich bin optimistisch, dass wir uns dort steigern können.“ Auch unser Chefcoach schaut bereits nach vorne: „Wir haben gewonnen und es hat sich niemand zusätzlich verletzt – das zählt! Wir hatten viele gute Sequenzen, mit der Abschlussquote bin ich nicht so zufrieden, obwohl wir dennoch 38 Tore geworfen haben. Jetzt können wir uns eine Woche Zeit nehmen uns zu überlegen, wie wir noch effektiver sein können mit Blick auf Erlangen. Ich finde es ganz gut, dass wir nicht unbedingt als Favorit in das Spitzenspiel gehen.“
Der Showdown mit dem Tabellenführer findet dann am Sonntag, den 08.11.2026 um 16:30 Uhr in der Erlangener Karl-Heinz-Hiersemann-Halle statt. Man darf gespannt sein…
TSG Friesenheim
Lena Dettling (Tor), Juli Wolf (Tor), Ina Scheffler, Sara Jelicic, Julia Noetzel (3/1), Jana Stolle (7), Johanna Werthmann (4), Felicity Gunst (3), Mona Kuczaty (5), Melissa Engeln (4), Linda Götz (3), Luna Bohn, Rebecca Brecht (9/5)
SG Kappelwindeck/Steinbach
Jovana Babic (Tor/1), Teresa Heizmann (Tor), Lene Kuderer, Desire Kolasinac (3), Lilia Oost (3), Sara Hildebrand (1), Petra-Sinziana Botarel (9/4), Jule Fauth, Jule Schickinger (1), Ada Hess (1), Lorena Vierling (1), Lilith Klein (3), Lotta Löschner (3), Anais Schöffel (4), Ronja Lutz, Nina Treml (3)
Schiedsrichter: Yannik Haas, Sebastian Wilken
Zuschauer: 100